Mein Hund Barolo hat ein Geheimnis. Er mag nicht entlang der Prater Hauptallee spazieren gehen. Wenn wir morgens das Auto beim Lusthaus parken und uns in das bunte Treiben der Jogger, Walker und Autos einreihen, die das Fahrverbot missachten, biegt der Hund immer mit großer Selbstverständlichkeit in den ersten Waldweg rechts ein, und das ist ein hübscher Weg, der uns weiter zur frisch renovierten Kirche von Maria Grün führt und von dort in die dichten Praterwälder.
Mein Hund Barolo kehrte von einem Erholungsausflug zurück und war schön wie nie zuvor. Sein Fell war gebürstet, es glänzte wie die untergehende Sonne im Meer, die Haare zwischen den Zehen waren geschnitten und es gab keine Aufmerksamkeit, die dem Tier nicht widerfahren war - der Barolo kam mir auch um die Leibesmitte ein bisschen energischer vor als zuletzt, aber vielleicht schloss ich ja bloß von mir auf andere.
Mein Hund Barolo nimmt das Stück Wurst mit spitzen Lippen. Er schaut mir, bevor er herzhaft zubeißt, tief in die Augen, als wollte er fragen: Kein Trick? Ich schaue dann knapp an ihm vorbei, weil dann fühlt sich der Hund nicht so beobachtet, und flöte, Trick, wieso Trick?
Mein Hund Barolo und ich saßen, als es draußen kalt war, über unserer Plattensammlung. Wir sortierten und prüften, hörten zu und diskutierten, und am Schluss hatten wir die ultimative Zusammenstellung von Hundesongs beinander, und weil ihr diese Songs nie mehr nicht hören wollen, brannten wir sie in folgender Reihenfolge auf die CD namens „Barolo's Dog Songs". Hier ist sie.
Mein Hund Barolo hüpfte aus dem Auto, machte zwei Schritte, dann war er unsichtbar. Das ist ungewöhnlich, denn der Hund ist sehr schwarz und hat ein Volumen von bestimmt 35 Liter, und da ist der Schnee im Pelz gar nicht mitgerechnet, aber der Schnee im Pelz war es, der den Barolo unsichtbar machte, ich konnte ihn nämlich hören, er schnüffelte am Hinterreifen des Autos herum, weil den irgendwer angepischt hatte, aber ich konnte ihn nicht sehen, weil sich die flummigroßen Schneeflocken in der schwarzen Wolle von Barolos Fell so schnell einnisteten, dass der Schnee gar nicht so schnell schmelzen konnte, wie der Barolo unsichtbar wurde (Videobeweis hier).
Eine Frau, die sich im lauten Dialog mit ihrem Hund, einem kniehohen Mischling, durch die Hundezone hetzt: „Nein", keucht sie, „ich kann nicht so schnell. Geh langsamer!"
Sie beschleunigt. Jetzt nimmt sie richtig Tempo auf. Der Hund freut sich. Er springt an ihr hoch und versucht, ihre Hand zu küssen.
„Nein", ruft die Frau. „Nicht hüpfen." Sie gibt dem Hund einen Keks.
Der Hund bellt, um sich zu bedanken.
Mein Hund Barolo hat Hunger. Schon beim Frühstück hat er einen derartigen Appetit, als hätte er die ganze Nacht über dem gleichnamigen Klassiker von Knut Hamsun verbracht, dessen eiskalte Sätze niemanden unberührt lassen: „Wohin sollte ich gehen? (...) Der Hunger stellte sich wieder ein, nagte mir in der Brust, zerrte, versetzte mir kleine feine Stiche, die mich schmerzten."
Mein Hund Barolo nimmt mich an die Leine und schleppt mich in den Prater, wo wir zufällig an der Endstation der Linie O landen, dort gibt es nämlich ein Stehbuffet namens Peter's Platzel, Stammleser wissen Bescheid: die Existenz des Beisls war im Herbst akut bedroht, nun herrscht Klarheit. Das Lokal ist Geschichte. Der Wirt hat in erschütternd sachlichen Sätzen auf einen A4-Zettel geschrieben, was Sache ist: eine Familie, die von 1924 bis 2009 ein kleines Lokal führte, kann sich das von heute auf morgen nicht mehr leisten. „Ich danke allen Gästen für ihre Treue".
Illustration: Markus Roost
Die Hitze von Sardinien, gekonnt pariert durch übermäßigen Kaffeegenuss. Aber als die Sonne unterging, begannen die Sarden zu kochen, und wie.
Illustration: Lorenz Meier
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