Mein Hund Barolo hüpfte aus dem Auto, machte zwei Schritte, dann war er unsichtbar. Das ist ungewöhnlich, denn der Hund ist sehr schwarz und hat ein Volumen von bestimmt 35 Liter, und da ist der Schnee im Pelz gar nicht mitgerechnet, aber der Schnee im Pelz war es, der den Barolo unsichtbar machte, ich konnte ihn nämlich hören, er schnüffelte am Hinterreifen des Autos herum, weil den irgendwer angepischt hatte, aber ich konnte ihn nicht sehen, weil sich die flummigroßen Schneeflocken in der schwarzen Wolle von Barolos Fell so schnell einnisteten, dass der Schnee gar nicht so schnell schmelzen konnte, wie der Barolo unsichtbar wurde (Videobeweis hier).
Eine Frau, die sich im lauten Dialog mit ihrem Hund, einem kniehohen Mischling, durch die Hundezone hetzt: „Nein", keucht sie, „ich kann nicht so schnell. Geh langsamer!"
Sie beschleunigt. Jetzt nimmt sie richtig Tempo auf. Der Hund freut sich. Er springt an ihr hoch und versucht, ihre Hand zu küssen.
„Nein", ruft die Frau. „Nicht hüpfen." Sie gibt dem Hund einen Keks.
Der Hund bellt, um sich zu bedanken.
Mein Hund Barolo hat Hunger. Schon beim Frühstück hat er einen derartigen Appetit, als hätte er die ganze Nacht über dem gleichnamigen Klassiker von Knut Hamsun verbracht, dessen eiskalte Sätze niemanden unberührt lassen: „Wohin sollte ich gehen? (...) Der Hunger stellte sich wieder ein, nagte mir in der Brust, zerrte, versetzte mir kleine feine Stiche, die mich schmerzten."
Mein Hund Barolo nimmt mich an die Leine und schleppt mich in den Prater, wo wir zufällig an der Endstation der Linie O landen, dort gibt es nämlich ein Stehbuffet namens Peter's Platzel, Stammleser wissen Bescheid: die Existenz des Beisls war im Herbst akut bedroht, nun herrscht Klarheit. Das Lokal ist Geschichte. Der Wirt hat in erschütternd sachlichen Sätzen auf einen A4-Zettel geschrieben, was Sache ist: eine Familie, die von 1924 bis 2009 ein kleines Lokal führte, kann sich das von heute auf morgen nicht mehr leisten. „Ich danke allen Gästen für ihre Treue".
Mein Hund Barolo erholte sich von der plötzlichen Erkrankung seines Innenlebens schneller, als jede Prognose das vorgesehen hätte. Knapp, nachdem ich ihm angespannt dabei zugesehen hatte, wie er einen Fingerhut Wasser zu sich nahm - wird er ihn behalten? Ist der Fingerhut zu viel für ihn? -, teilte mir der Hund auf allen Kanälen mit, dass ihn nur noch eine Sache quäle - Hunger.
Dass mein Hund Barolo ein merkwürdiges Verständnis für Humor hat, ist Euch längst bekannt, aber dass er zuletzt fast auf die Schaufel des Henkers sprang, um mich dazu zu bewegen, für ihn zu kochen, fand ich dann doch übertrieben.
Was meinem Hund Barolo aus dem Jahr 2009 unvergesslich bleiben wird
„Komm", sagt mein Hund Barolo und schaut mir tief in die Augen. „Setz Dich. Ich muss mit Dir sprechen."
Ich setze mich an den Küchentisch. Was will der Hund von mir? Er ist doch sonst nicht so förmlich.
„Ich bin jetzt zwölf Jahre alt", sagt der Barolo, „korrekt?"
Ich nicke.
„Also werde ich nächstes Jahr dreizehn. Das ist alt für einen Hovawarthund. Korrekt?"
Ich setze mich an den Küchentisch. Was will der Hund von mir? Er ist doch sonst nicht so förmlich.
„Ich bin jetzt zwölf Jahre alt", sagt der Barolo, „korrekt?"
Ich nicke.
„Also werde ich nächstes Jahr dreizehn. Das ist alt für einen Hovawarthund. Korrekt?"
Illustration: Markus Roost
Die Hitze von Sardinien, gekonnt pariert durch übermäßigen Kaffeegenuss. Aber als die Sonne unterging, begannen die Sarden zu kochen, und wie.
Illustration: Lorenz Meier
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