Wer auf Smudo einen Blick in Cinemascope werfen will, muss bloß ein Konzert der „Fantastischen Vier" besuchen. Smudo ist dann einer von den drei kleinen Herrschaften dort vorne auf der Bühne, die abwechselnd, aber manchmal auch gemeinsam ins Mikrophon sprechen, singen, stöhnen, schreien. Manchmal steht er in der Mitte, manchmal auf der Außenposition neben Thomas D. und Michi Beck, während der vierte Herr, And.Ypsilon, sich im Hintergrund hält und an elektronischen Geräten herumfummelt.
Kann sein, dass Smudo nicht ganz scharf zu sehen ist. Er befindet sich ständig in Bewegung. Der Arm, der kein Mikrophon halten muss, unterstützt weit ausholend den Rhythmus. Tolle Beinarbeit. Die Zähne oft gebleckt, Smudo ist lustig. Die Fantastischen Vier sind lustig. Sie sind Deutschlands erfolgreichste Hip-Hop-Gruppe, und sie sind auch mit Abstand am besten aufgelegt. Ihre Songs sind witzig und von konkreter Poesie, sie geben sich nicht mit dem vordergründigen Witz zufrieden, sondern liefern zweite und dritte Bedeutungen en masse, wenn nicht mehr. Seit 20 Jahren verabschieden sie Hits. Ihre Konzerte füllen die großen Hallen. Die Fantastischen Vier sind veritable Popstars.
Aber Smudo ist auch gern alleine,
wobei die Einsamkeit, die er sich ausgesucht hat, eine qualifizierte ist. Zum
Beispiel steigt er gern in seine Beech Bonanza, ein viersitziges Sportflugzeug
mit Propellerantrieb, Baujahr 1978, und begibt sich auf eine Ausflugsreise.
Smudo findet Fliegen entspannend. Er kennt die Regionalflughäfen Deutschlands
inzwischen aus dem Effeff, seine Maschine braucht zum Starten und Landen nicht
mehr als 600 Meter Landebahn oder Gras. Das Flugzeug, Kennzeichen D-EIZK, ist
weiß, vom Propeller zum Leitwerk führen ein blauer und ein orangeroter
Streifen. Als Smudo auf dem Dahlemer Binz in der Eifel, hundert Kilometer
südlich von Köln, landet, riecht es weniger nach Glamour als nach
Landwirtschaft.
Smudo hüpft aus seinem Flieger, den er auf dem Rasen vor dem Tower geparkt hat, er umarmt den großen, kahlgeschorenen Mann, der gekommen ist, um ihn abzuholen.
„Tom!"
„Smudo!"
Tom von Löwis of Menar ist Smudos, tja, Teamchef. Jedenfalls ist er der Mann, der einen Rockertraum Wirklichkeit werden ließ, indem er dem Rocker, der die Idee, Autorennen zu fahren, virtuell immer spannender fand, das wahrhaftige Auto unter den Hintern zauberte. Dieses Auto, ein adaptierter Ford Mustang, ist schwarz und gelb lackiert und steht mitten im Wald, aber das ist jetzt nur ein Detail. Wichtig ist, dass Smudo und sein Auto endlich an ein und denselben Ort gebracht werden, das wird Tom jetzt flott besorgen, als ehemaliger DTM-Pilot hat er ein Händchen für flott besorgen.
Nicht, dass Smudo als Rennfahrer vom Himmel gefallen wäre (auch wenn ihn seine Leidenschaft für die Fliegerei dafür prädestinieren würde). Er verspielte sich bloß auf der Spielkonsole.
Das Spiel hieß „Grand Prix Legends". Es stammte aus der Schmiede der Papyrus Design Group, der legendären Klitsche detailbesessener Rennsportfreaks, die Rennautos der Grand Prix Saison 1967 so realistisch auf den Bildschirm hinüberdeklinierten, dass der junge Herr Schmidt, wie Smudo in seinem früheren Leben hieß, begann, auf der Tastatur seiner Konsole mit dem Schraubenzieher zu arbeiten, das Fahrgestell musste sich doch sakrament ein bissle steifer einstellen lassen. Neues Lenkrad aus Spezialanfertigung. Dann auf die Online-Rennbahn, uuh.
Das Gefühl war gut. Aber Smudo wollte es besser, echter, wollte anwenden, was er glaubt, gelernt zu haben. Er ließ sich in einen Intensivkurs für die Formel Renault in der Zakspeed-Rennfahrerschule am Nürburgring einschreiben, um endlich einmal ein richtiges Rennauto zu pilotieren. Smudo stellte sich geschickt an und war hartnäckig. Er erwarb die Lizenz „International C" des deutschen Motorsportbunds.
Der Zufall wollte es, dass Smudo, zu dieser Zeit bereits fantastisch unterwegs und ein gefragter Aufputz für Veranstaltungen jeder Ordnung, zu einem Prominenten-Cartrennen in die Kölnarena eingeladen wurde. Er zögerte nicht mit seiner Zusage. Zehntausend Zuschauer. Smudos Gefühl trog ihn nicht. Er hatte sich vor der Kiste die Grundlagen eines Gefühls für die Kiste angeeignet, und er lenkte sein Cart zum Amüsement der Zuschauer schnell und beständig durch die Qualifikationskurven.
Als das Rennen schließlich in die entscheidende Phase ging, lag Smudo auf Platz zwei. Er hatte nur noch einen Gegner vor sich: den Schlagersänger Haddaway ( „What is love"), der vor dem Rennen die eigenen Talente sehr gelobt hatte, was der Rapper als Motivation für die seinen empfand. Smudo: „Ich sah, wie schlampig er die Kurven nahm - jede Kurve ein Fehler - konnte mir ausrechnen, was ich tun musste - tat es - vorbei am Großmaul - Zielflagge - gewonnen - ich. Ich. Geil!"
Jetzt wollte Smudo auf die richtige Rennstrecke, raus aus der Halle, weg von der Kiste. Er musste nicht weit laufen, um gehört zu werden. Ein Stuttgarter Eventmanager mit kahlgeschorenem Kopf entpuppte sich als früherer Formel V und DTM-Pilot, der nichts lieber wollte als zurück an die Strecke. Er stellte Smudo bloß eine einzige Gewissensfrage: „Willste einmal auf die Strecke? Oder richtig?"
Tom von Löwis of Menar, Platz 79 der ewigen Bestenliste der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft, lenkt einen silbernen Volvo Kombi durch lang gezogene Kurven, in denen Motorradschwadronen in beachtlicher Schräglage entgegenkommen. Die Nordschleife entlässt ihre Kinder. Smudo sitzt auf dem Beifahrersitz und spricht. Er spricht schnell. Warum sollten Rapper langsam sprechen? Können Rapper langsam sprechen?
Smudo lobt die landschaftlichen
Vorzüge der Eifel, wo sich Kollege Thomas D. mit Menschen und Tieren auf einem
Hof niedergelassen hat, und er rekapituliert die wichtigsten Fakten zum
Nürburgring, der das Ziel dieser Fahrt ist, damit nichts Wesentliches in
Vergessenheit gerät. Eröffnung 1927, als Konrad Adenauer noch ein junger Mann ist,
die „grüne Hölle", wie sie Jackie Stewart viel später nennen wird, jedoch schon
die grüne Hölle, 28 Kilometer Länge, 300 Meter Höhenunterschied, Wald, unebene
Fahrbahn, Kuppen, an denen jedes Fahrzeug, das mit Vollgas ankommt, abhebt und
beachtlichen Luftstand generiert, da muss man erst mal drinsitzen wollen. Und
natürlich die unglaubliche Niki Lauda-Geschichte, musst mal ins Archiv gehen
und dir rausholen lassen, wie der über die Strecke geschimpft hat. Zu unsicher.
Völlig überholt. Und dann verbrennt er um ein Haar. Wahnsinn.
Die erste Rennserie, die Smudo unter den Fittichen seines neuen Teamchefs Tom von Löwis bestritt, war der VW Beetle Cup. Smudo blieb danach beim Käfer, aber natürlich nicht irgendeinen aufgemotzten Käfer, er hatte schon damals ein Gefühl für das richtige Setzen von Themen und pilotierte ausgerechnet das Geschoß, das mit Rapsöl - Rap-Öl? - betrieben wurde. Erfolge? Smudo lernte, beständig am Limit zu fahren. Keine Autos zu zerstören.
„Keine Autos zu zerstören?", fragt Tom betont lässig. „Wohl den Maserati-Cup vergessen."
„Da wurde ich abgeschossen. Abgeschossen!" antwortet Smudo. Er moduliert seine Stimme, als hätte er Helium inhaliert. „Oh nein. Erinnere mich doch nicht an den Maserati-Cup. Ich war so gut unterwegs. Und dann...abgeschossen. Tom, du ..... wegen dir kann ich jetzt wieder nicht einschlafen, weil ich dauernd an den Maserati-Cup denken muss. O nein. Tom. Du Teufel."
Tom gluckst und weicht einem Motorradfahrer aus, der sich ein bisschen zu sehr Casey Stoner sein will.
Zum Kaffeetrinken ins Dorint am Nürburgring nimmt Smudo seinen Laptop mit, einen schwarzen IBM-PC mit dem Aufkleber „Captain Fornika" auf der Deckklappe. „Fornika" hieß das letzte, sehr poppige Fanta-4-Album, und der Captain ist Smudo, wer sonst. Der Computer ist aus unerfindlichen Gründen abgestürzt, und das macht Smudo zu schaffen, weil er gerade für die Instrumentenflugprüfung lernt und die entsprechenden Multiple-Choice-Fragebögen aus den ramponierten Speicherschleifen seines Laptops klauben muss. Mal nachschaun. Hmhm.
Er ist ein guter Computerista. Er lernte sein Handwerk auf dem legendären Commodore 64, jenem Computer, der für die Jugendkultur der neunziger Jahre so wichtig war wie die E-Gitarre für jene der siebziger, schrieb Programme, entwickelte das Science-Fiction Computerspiel „Price of Peril", das sogar einen Programmierwettbewerb gewann. Hilft alles nichts, wenn die Prüfungsfragen verschwunden bleiben. Sakrament.
Im Juni wird sich Smudo mit den Kollegen von der Band zusammenfinden, Thema: neues Album.
Das muss man sich so vorstellen. Jeder kommt von irgendwo, bringt Ideen, Ansätze, Impulse mit. Dann werden „Themeninseln" gebaut, auf denen schließlich erste Text-, erste Refrainentwürfe gedeihen. Ist die Richtung festgelegt, geht der Rest von alleine, man kennt sich ja. Die Fantastischen Vier sind schließlich auch schon 20 Jahre ein Team, nein, „eine Familie".
Smudo: „Wir kennen uns gut. Wir streiten vortrefflich. Wir stellen uns als Band nicht infrage. Deine Verwandten kannst du dir schließlich auch nicht aussuchen."
„Ist es nicht merkwürdig, nach 20 Jahren noch immer Pop zu machen?"
„Nein. Das Alter spielt überhaupt keine Rolle."
„Aber Popmusik stiftet doch Sinn für ganze Generationen."
„Schon. Aber die Botschaften werden vielfältiger."
„Zum Beispiel?"
„Zum Beispiel verändert sich meine Wut. Früher war ich auf die Elterngeneration zornig. Heute bin ich zornig, dass meine Eltern manchmal doch recht gehabt haben."
Nachzuhören auf „Du mich auch" vom letzten Album „Fornika". Laut, rotzig, kraftvoll.
„Die Nummer funktioniert übrigens für Junge und für die Alten. Die Generationsscheisse wird überschätzt", sagt Smudo.
„Wie finden die Kollegen eigentlich deine Motorhobbys?"
„Sie nehmen's zur Kenntnis."
„Schon mal mit der Band einen Ausflug im Flugzeug gemacht?"
„Ja, aber nur einmal. Thomas fand das nicht so gut wie ich."
Das Auto, mit dem Smudo in dieser Saison zehn Läufe zur BF Goodrich- Langstreckenmeisterschaft bestreitet, nennt sich Bio Concept Car. Der 280 PS starke RTD-Motor wird mit Biodiesel betrieben, in der Karosserie werden die bisher üblichen Kohlefaserteile durch Bio-Verbundstoffe - Flachs und Leinöl - ersetzt. Die Tatsache, dass ein Rennauto sozusagen kompostierbar ist, möchte der Teamchef auf einem Foto versinnbildlicht wissen. Er hat deshalb dafür gesorgt, dass der Bio-Ford Mustang dorthin gebracht wurde, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen.
Dorthin bringt er jetzt Smudo, mitten in den Wald.
Smudo lacht. Das ist der nächste Level seines höchstpersönlichen Racing-Spiels.
Nachher flott auf die Nordschleife.

HI! Ladys and Gentlemans, please vote my songs to help the childrem of the world. Its so hard for the little children an i will spend all my time to tell the whole human mankind what is wrong on this planet earth. Please brothers and sisters help us to change the world. Peace and Out. Let the Music in youre Heart.Go to www.myspace.com/defcem26 or www.facebook.com/cem.uzlu and say to the world what you think about this life at the moment. I love you all.