Weltwoche
Peter Sellars plagen keine Zweifel an seiner Mission. Die Frage, ob uns Mozart zu seinem 250. Geburtstag noch etwas zu sagen hat, versteht er nicht. Er kann sie nicht verstehen: seinem Gehirn fehlen die dafür notwendigen Rezeptoren. Die weithin hörbare Kritik am Subventionstheater, an den Millionen verschlingenden Theater- und Opernfestivals Europas; Peter Sellars hat kein Ohr frei. Er ist gerade an seinen I-Pod angestöpselt, um die neue Oper von John Adams zu studieren. Die Diskussion über die Sinnsuche im Theater; über die Absenz zeitgenössischer Stücke an unseren Bühnen; die verbissene Jagd einer ganzen Generation von Regisseuren nach einem Wurstzipfel an Originalität; das Zetern über des Kaisers neue Kleider, wie sie auf unseren Bühnen angeblich getragen werden; der Regisseur Peter Sellars, 48, schüttelt den Kopf. Kein Grund, zu zetern. Er ist der Schneider.
Der Schweizer Bundesrat, der lieber als Politiker ganz sicher Schriftsteller wäre, aber trotzdem Politiker ist. Was hat das für einen Grund?
Im Garten von Julian Barnes wachsen merkwürdige Pflaumen. Ihre Haut schimmert in einem stark zu Karmesinrot tendierenden Violett, das Fruchtfleisch ist von einladend sattem Gelb. Sie schmecken, mhm, wie reife Pflaumen eben schmecken, süß mit einem angenehmen Schuss Fruchtsäure. Aber sie sehen aus, als hätte Tomi Ungerer im Evolutionslabor ein bisschen die Puppen tanzen lassen: wer sonst würde Pflaumen in der Façon ausladender Frauengesäße wachsen lassen?
Doch, er ist geschminkt. Das Sonnenbronze seiner Stirn, das Gesundheitsbraun seiner Wangen stammen genauso aus der Parfümerie wie das Schwarz seiner Haare, das nicht recht decken will und ein helles Grau von 65 intensiven Jahren lebhaft durchschimmern läßt.
