Manfred Klimek fotografiert Catarina Patricio
Catarina Patricio studiert in ihren Bildern die Verwandtschaft von Mensch und Maschine. Im Hangar-7 sind ihre Werke gemeinsam mit denen neun anderer portugiesischer Künstler ausgestellt.
Er ist ein Skispringer, wie es nur alle zehn Jahre einen gibt. Er mag
Jack Johnson, beherrscht die Lüfte, sammelt Schanzenrekorde und legt
stets Wert darauf, alle Aufgaben stilvoll zu erledigen. Schaut Euch bitte die Mütze an.
Foto: Philipp Horak
Der Mann mit dem grauen Anzug durchquert den lichtdurchfluteten Raum. Draußen formieren sich Schneewolken über der Berliner Museumsinsel und fressen das Licht des frühen Nachmittags. In die Außenwand des Raumes sind vom Fußboden bis zur Decke hohe Fenster eingeschnitten. So bleibt der Raum auch, als es draußen dramatisch dunkler wird, hell.
Im Garten von Julian Barnes wachsen merkwürdige Pflaumen. Ihre Haut schimmert in einem stark zu Karmesinrot tendierenden Violett, das Fruchtfleisch ist von einladend sattem Gelb. Sie schmecken, mhm, wie reife Pflaumen eben schmecken, süß mit einem angenehmen Schuss Fruchtsäure. Aber sie sehen aus, als hätte Tomi Ungerer im Evolutionslabor ein bisschen die Puppen tanzen lassen: wer sonst würde Pflaumen in der Façon ausladender Frauengesäße wachsen lassen?
Der junge Mann besaß einen schlanken, gut trainierten Körper und einen verwegenen Geschmack. Er trug seine Haare wie eine Palme ihre Blätter, und mit Ausnahme einer Cargohose wurde der Körper nur von raumgreifenden Tätowierungen bedeckt. Von den Schultern führte ein entschlossenes Zickzackmuster hinunter zu den Händen, und weit unter dem Nabel entfaltete ein abstrakter Vogel seine Schwingen. Wo der Vogel den Schnabel hatte, war nur zu ahnen. So tief saß die Cargohose auch wieder nicht.
20
Minuten vor Mitternacht schlägt sich Luc Bondy mit der flachen Hand auf die
Stirn und stöhnt: «Komplizin. Sie ist seine Komplizin!»
Er
springt auf, doch das ist gar nicht so einfach. Die Tische im «Purpur» sind
niedrig, die noch niedrigeren Sitzbänke eigentlich keine Sitzbänke, eher mit
Kelimstoff überzogene Sofas, auf denen man erstklassig Tee trinken, Fernsehen oder
ein Kind machen könnte. Nur fürs schnelle Aufstehen sind sie nicht gemacht.
Doch, er ist geschminkt. Das Sonnenbronze seiner Stirn, das Gesundheitsbraun seiner Wangen stammen genauso aus der Parfümerie wie das Schwarz seiner Haare, das nicht recht decken will und ein helles Grau von 65 intensiven Jahren lebhaft durchschimmern läßt.
Als Fritjof Capra seinen Heimaturlaub in Innsbruck dazu nützte, einen grünen Lokalpolitiker aufzusuchen, um sich bei diesem über das Wesen der „Ökosteuer" zu informieren, erlebte er eine rechtschaffene Überraschung. Der Grüne sah aus wie ein Grüner, sprach wie ein Grüner, war ein Grüner - aber er machte keine Anstalten sich mit ihm, Capra, dem Ur-Grünen, zu verbrüdern. Nein, der Grüne duzte ihn nicht einmal; und daß man gemeinsam auf ein naturtrübes Bier gehen könnte, stand keine Sekunde lang zur Debatte. Kühl und nüchtern wickelte der Grüne die Fragestunde ab, und als Capra wieder draußen auf der Straße stand, dachte er bei sich: „Ist der aber etabliert." Ganz richtig: Vor zehn, zwölf Jahren hätte die Existenz eines anderen jedem einzelnen Tiroler Grünen zu einer kleinen Euphorie verholfen. Heute: gehen die Grünen mit ihren Euphorien sparsamer um.
Die Geschichte des neuen Romans von Christoph Ransmayr beginnt in der 2. Augenklinik des Wiener AKH. Es ist elf Jahre her, daß ein Arzt namens Stur beim damals 30jährigen Journalisten aus Wels eine Augenkrankheit namens „Chorioretinitis centralis serosa" in sehr leichter Form diagnostizierte. Bei diesem Defekt sickert Gewebsflüssigkeit durch undichte Stellen in der Netzhaut und sammelt sich zwischen den Häuten des Augapfels. Die entstehenden Blasen verfinstern den Blick. Kleine, dunkle Löcher stehlen sich aus dem Gesichtsfeld. Als Entdecker der Krankheit firmiert ein japanischer Augenarzt. Nach ihm heißt die bei Ransmayr festgestellte Sehschwäche „Morbus Kitahara".
