Zu Tisch, Weltwoche

Ketchup

Kolumnen Zu Tisch, Weltwoche • 1. August 2005
Ich habe nichts gegen Ketchup, außer dass es mir nicht schmeckt. Wobei, stimmt nicht ganz. Ketchup würde gut zu diversen Fleisch- und Kartoffelspeisen passen, wäre es nicht unter der Monopolherrschaft der Firma „Heinz" zu einem Lockmittel der Zuckerindustrie verkommen, auf das vor allem Kinder und Fastfoodisten abfahren.

Muscheln

Kolumnen Zu Tisch, Weltwoche • 1. Juni 2005
Es war nicht mehr als eine flüchtige Idee, eine Laune, die vielleicht der früh geöffneten Flasche Rosato entsprang, jedenfalls lieferte jemand das Stichwort: «Machen wir doch einen Teller Nudeln mit Muscheln». Wir hielten uns gerade an der südlichen Adriaküste Italiens auf, und im Kühlschrank warteten noch ein, zwei Flaschen des hervorragenden «Saturnino» der «Tenuta Rubino» aus Brindisi. Die Sache mit den Muscheln schien maßgeschneidert zu sein für einen windstillen, apulischen Frühsommerabend. 

Weinskandal

Kolumnen Zu Tisch, Weltwoche • 1. April 2005
So ein Glück, dass ein paar burgenländische Weinbauern vor 20 Jahren den Hals nicht vollkriegen konnten. Ihr Weißwein wäre fad und extraktarm gewesen, hätten sie ihn nicht mit einem Wundermittel in liebliche Spätlesen verwandelt. Im Februar 1985 informierte das Bundesuntersuchungsamt in Trier, dass in burgenländischen «Prädikatsabfüllungen» Spuren von Diäthylenglykol - genau: der legendäre Frostschutz - gefunden worden seien. Im Juli warnte das deutsche Gesundheitsministerium vor dem Genuß österreichischer Weine. Im August verbot das amerikanische Amt für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen dessen Import. Polen, Frankreich und Großbrittannien zogen nach. Der «Weinskandal» war perfekt. Die österreichischen Weinexporte brachen auf ein Zehntel des bisherigen Umsatzes zusammen. 
Mit Kindern essen gehen. Tja. Mach ich zwar regelmäßig, finde ich aber nicht uneingeschränkt gut. Einerseits bildet es natürlich die Kinder, und wenn es nur ihre Neugierde befördert, einen Löffel mit irgendwas zu probieren, das sie vorher nicht kannten, zum Beispiel mit zurückhaltend gewürzten, anständig eingekochten Rindsuppen. Das erspart dir eines Tages Diskussionen darüber, ob man Suppen mit Schnittlauch würzen darf oder - uähhhh, ich mag keinen Schnittlauch - nur mit ohne.

Bratwurst

Kolumnen Zu Tisch, Weltwoche • 1. Januar 2005
Die Olma in St. Gallen ist eine denkwürdige Veranstaltung. Hier marschiert die Schweiz der Viecher und Bauern breitbeinig auf, und wer, ohne sich dreckig zu machen, verfolgen möchte, wie ein Kälbchen auf die Welt plumpst, ist hier am richtigen Ort. Kann sein, dass die Assoziation ein bisschen grausam daherkommt: mich verschlug es aus dem einzigen Grund aufs St. Galler Messegelände, weil ich wissen wollte, ob die berühmte Olma-Kalbsbratwurst hält, was sie verspricht.

Fondue

Kolumnen Zu Tisch, Weltwoche • 1. Dezember 2004
Unter den kulinarischen Perversionen der Schweizer ist mit Sicherheit die perverseste das Fondue, und angesichts der obligatorischen Portion Apfelmus zu den Hörnli mit Gehacktem will das was heißen. Schon gut, ein paar Leser laufen jetzt rot vor Wut an und rufen exorzistisch „Figugegl". Sie zitieren damit, wenn ich mich nicht irre, den Schriftsteller Martin Suter, als der sich noch als Werber verdingte. Wenn nicht Suter persönlich den kryptischen Spruch erfand, dann war es jedenfalls ein Texter, der sein zwiespältiges Verhältnis zur besagten Speise auf hohem literarischen Niveau in krächzende Verzweiflung umwandelte. „Figugegl" heisst, für alle, die nicht wissen, was sie gerade gerufen haben: „Fondue Isch Guet Und Git E Gueti Luune". Gibt es ein geschönteres Akronym?

Belvedere

Kolumnen Zu Tisch, Weltwoche • 27. November 2004
Die Weingärten tragen rote Wangen, es ist die beste Jahreszeit, um Sehnsucht zu haben. Die Sehnsucht wiederum ist ein heikles Geschöpf. Sie verträgt weder Hunger noch Durst, also geht man ihr am besten an dafür geschaffenen Orten nach, ich meine zum Beispiel das Restaurant „Belvedere" in La Morra. 

Food & Beverage

Christian Seilers
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