Kinder Restaurant

Kolumnen / Zu Tisch, Weltwoche
Mit Kindern essen gehen. Tja. Mach ich zwar regelmäßig, finde ich aber nicht uneingeschränkt gut. Einerseits bildet es natürlich die Kinder, und wenn es nur ihre Neugierde befördert, einen Löffel mit irgendwas zu probieren, das sie vorher nicht kannten, zum Beispiel mit zurückhaltend gewürzten, anständig eingekochten Rindsuppen. Das erspart dir eines Tages Diskussionen darüber, ob man Suppen mit Schnittlauch würzen darf oder - uähhhh, ich mag keinen Schnittlauch - nur mit ohne.


Aber es erspart dir keinesfalls die schneidenden Blicke der Gäste vom Tisch nebenan, die sich möglicherweise für heute Abend etwas ganz Besonderes vorgenommen haben, und jetzt sitzen neben ihnen wir, und unser Bub beschäftigt sich nicht mit der wunderbaren Suppe, sondern damit, seinen Eltern den Wein mit der Suppe etwas kräftiger zu machen. Kann es im Wirtshaus ein Thema geben, das die Kommunikation schneller in Schwung bringt? Lauter? Kann es sein, dass man gar nicht wissen will, was die Eltern von dort drüben ihrem Sohn zu sagen haben?

Aber. Ich habe im Restaurant selten größeres Entgegenkommen genossen, als wenn ich mit meinem kleinen Sohn auftauchte. In praktisch allen nennenswerten Lokalen stand für uns ein Tripp-Trapp-Stuhl bereit; in zahlreichen Lokalen gab es über das obligate Mickey Maus-Schnitzel hinaus spezielle Kindergerichte, am spektakulärsten in «Chrüter-Oskis» Moospinte in Münchenbuchsee, wo Kinderravioli serviert wurden, um die ich meinen Sohn ernsthaft beneidete; Iris Petermann wiederum bereitete dem müden, kleinen Zukunfts-Feinschmecker in den Küsnachter «Kunststuben» ein improvisiertes Lager für den Mittagsschlaf neben unserem Tisch, was außergewöhnlich souverän daherkam. Über die Gastgeber kann ich also keinesfalls klagen.

Klagen muss ich über die eigene Befindlichkeit. Das Kind am Tisch hat nicht nur, siehe oben, entspannende Wirkung. Bei Prüfung aller Für und Widers komme ich zu dem Schluss, dass es richtig ist, die Kinder mittags in Restaurants jeder Preisklasse mitzunehmen, die Wirten mögen das, und die Kinder sowieso. Abends haben wir Erwachsenen das Recht, die Gaststube miteinander zu teilen, ohne dass einer unserer Bälge die vornehme Stille stört. Das mögen die Wirten auch, und die Nachbarn vom Tisch nebenan erst recht.

PS: Zahlreiche Leser machten mich nach Lektüre der vorwöchigen Kolumne auf eine erstklassige Schweizer Schokolade aufmerksam: die 72 Stunden lang conchierte, 75prozentige Tafel «Cacao Selection Felchlin Grand Cru Création de Chocolatier Wellauer, Amriswil». Ich probierte das Produkt unverzüglich und muss neidlos zugeben, dass sie an Eleganz und Schmelz den besten Schokoladen der Welt ebenbürtig ist. 9 von 10 Punkten!

Food & Beverage

Christian Seilers
Kolumne in

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